Was bedeutet Valorisierung – und was ist daran neu?

Wissensvalorisierung meint: Forschungsergebnisse so in die Welt bringen, dass daraus konkreter Nutzen und Wirkung entstehen – für Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und öffentliche Dienstleistungen. Entscheidend ist dabei nicht nur „Verwertung“ im engen Sinne, sondern ein breiteres Verständnis von Wertschöpfung aus Wissen. 

Von Veröffentlichung zu Nutzung und Wiederverwendung:

Entscheidend ist nicht nur, dass Ergebnisse verbreitet werden, sondern dass ihre Anwendung ermöglicht und aktiv unterstützt wird.

Vom linearen Transfer zum Ökosystemdenken:

Wirkung entsteht nicht entlang eines einzigen Pfads, sondern über verschiedene, teils parallele Wege, die sich gegenseitig beeinflussen und weiterentwickeln.

Von Wirkung als Nebenprodukt zu Wirkung als Gestaltungsaufgabe:

Valorisierung wird als strategischer Prozess verstanden, der Organisation, Ressourcen, Zuständigkeiten und Anreizstrukturen erfordert. 

Vom engen IP-Verständnis zu einem breiten Blick auf Wissensbestände:

Neben Patenten zählen auch Daten, Software, Prototypen, Methoden, Standards, Publikationen, Trainingsmaterialien, Netzwerke und Erfahrungswissen.

Damit ist Valorisierung nicht einfach ein Zusatzmodul am Ende eines Projekts, sondern eine Querschnittsaufgabe über den gesamten Forschungs- und Innovationszyklus.

Wissensvalorisierung hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Von öffentlich finanzierter Forschung wird zunehmend erwartet, dass sie nicht nur wissenschaftliche Exzellenz hervorbringt, sondern auch nachvollziehbar zu gesellschaftlichem, wirtschaftlichem und politischem Nutzen beiträgt. Wirkung wird damit zu einem expliziten Bezugspunkt von Forschung und Innovationspolitik.

Gleichzeitig steht Europa vor der Herausforderung, Forschungsergebnisse schneller und nachhaltiger in Anwendung, Märkte und Praxis zu überführen. Trotz hoher wissenschaftlicher Leistungsfähigkeit gelingt es häufig nur begrenzt, Erkenntnisse zu skalieren oder dauerhaft zu verankern. Valorisierung wird deshalb als ein zentraler Ansatz gesehen, um diese Lücke zu schließen.

Gute Valorisierung entsteht selten durch einzelne Maßnahmen. In der Praxis entwickelt sie sich aus dem Zusammenspiel von strategischer Orientierung, geeigneten Strukturen, passenden Kompetenzen und belastbaren Partnerschaften. Für außeruniversitäre Forschungsorganisationen lässt sich dies gut als ein Baukasten verstehen, dessen Elemente je nach Kontext unterschiedlich kombiniert werden. 

Geschlechteraspekte sind für Wissensvalorisierung aus zwei Gründen zentral:

Sie betreffen sowohl die Qualität von Forschungsergebnissen als auch die Fairness der Wege, über die Wirkung entsteht.

Sie betreffen sowohl die Qualität von Forschungsergebnissen als auch die Fairness der Wege, über die Wirkung entsteht.

Bessere Forschung, bessere Wirkung

Wer Sex- und Genderdimensionen in Forschung und Entwicklung ausblendet, riskiert Lösungen, die nur für einen Teil der Bevölkerung gut funktionieren. Häufig entstehen Verzerrungen in Daten und Modellen oder blinde Flecken in Bezug auf Bedarfslagen, Risiken und Nutzungskontexte. Das mindert nicht nur die wissenschaftliche Robustheit von Ergebnissen, sondern auch ihre Anschlussfähigkeit, Akzeptanz und langfristige Wirkung.

Faire Zugänge im Valorisierungssystem

Valorisierung ist kein neutraler Prozess, sondern ein System aus Rollen, Anerkennung, Ressourcen, Netzwerken und Entscheidungsmacht. Diese sind nicht automatisch gleich verteilt. Geschlechterverhältnisse – oft in Wechselwirkung mit weiteren Ungleichheiten – beeinflussen, wer als innovativ wahrgenommen wird, wer Zugang zu Finanzierung, Sichtbarkeit und Schlüsselnetzwerken erhält, wessen Transferarbeit anerkannt wird und wie Risiken, CareVerantwortung oder Karrierefenster wirken. Eine geschlechtersensible Perspektive trägt dazu bei, Wirkungschancen gerechter zu gestalten und zugleich die Leistungsfähigkeit von Organisationen insgesamt zu erhöhen. 

Wie lässt sich das praktisch umsetzen?

Geschlechteraspekte können entlang des gesamten Valorisierungsprozesses integriert werden. Ansätze hierfür sind zum Beispiel:

I𝗻 𝗣𝗿𝗼𝗷𝗲𝗸𝘁𝗹𝗼𝗴𝗶𝗸𝗲𝗻

etwa durch die Berücksichtigung
von Sex und Gender in Fragestellungen, Datenerhebung, Testdesign und Anwendungskontexten

𝗜𝗻 𝗧𝗲𝗮𝗺𝘀 𝘂𝗻𝗱 𝗚𝗼𝘃𝗲𝗿𝗻𝗮𝗻𝗰𝗲-𝗦𝘁𝗿𝘂𝗸𝘁𝘂𝗿𝗲𝗻

etwa durch die Berücksichtigung
von Sex und Gender in Fragestellungen, Datenerhebung, Testdesign und Anwendungskontexten

𝗜𝗻 𝗔𝗻𝗿𝗲𝗶𝘇𝘀𝘆𝘀𝘁𝗲𝗺𝗲𝗻

durch die Anerkennung unterschiedlicher Beiträge, auch jenseits klassischer Verwertungsformen

𝗜𝗺 𝗠𝗼𝗻𝗶𝘁𝗼𝗿𝗶𝗻𝗴

indem nicht nur Outputs, sondern auch Zugänge und Verteilungen sichtbar gemacht werden.

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